Eisbär-Ori 2018

 

Eisbär ORI 2018

 

Im Startlokal in einem verschlafenen Nest in der Eifel harrt das Gros der Teilnehmer schon auf die bevorstehende Ausfahrt. Mal sehen, was sich die Mannen-pardon- Damen und Herren um Initiator Hans Grützenbach ausgedacht haben, um unseren Orientierungssinn auf die Probe zu stellen.

 

Nach einem kurzen Briefing geht die Meute im Minutenabstand auf die ungewisse Reise. Vom Start weg wird klar, dass die Lösung der Aufgaben kein Kindergeburtstag ist.

Bestätigen kann das Andi, der schon die erste Kontrolle verfehlt- ob er mit seinem Audi zu schnell war oder ein Traktor die Sicht verstellte, wird für immer ein Rätsel bleiben.

Uns erwartet das Rätsel bei Kontrolle 3. Schon bei der Zufahrt wird klar, wieso dieses Gebiet auch gerne Schneeeifel genannt wird. Mehrere Autos kämpfen mit tückischen Eisplatten unter frischem Schnee. Selbst meine Schrankwand schlittert kaum kontrollierbar umher, mit Mühe kann ich eine Kollision mit einem festgefahrenen Mitsubishi verhindern.

Mit gemeinsamer Muskelkraft entzerren wir das Gewirr aus 5 Fahrzeugen. Ein Daihatsu Fahrer entschließt sich daraufhin sogar zum Fahrzeugwechsel, während wir direkt in die nächste Aufgabe schlittern und dabei einen stummen Wächter auslassen.

Der Fauxpas ist schnell vergessen, denn mittlerweile verwandelt die Sonne den Schnee in eine gleißende Pracht und die kleinen Sträßchen bieten eine wunderbare Aussicht.

Apropos Aussicht- die Aussicht auf einen Teller Gulaschsuppe in Luxemburg spornt uns zusätzlich an und wir kommen mit Vorzeit ins Zwischenziel. Dort wird schon schwer geschraubt- ein Hufnagel, dem Zustand nach noch aus dem frühen Mittelalter, hat sich in den linken Hinterreifen eines Hyundai verirrt, ebenso beim fälligen Radwechsel eine Radmutter auf dem verschneiten Parkplatz. Die Mahlzeit ist köstlich-so köstlich, dass sich Timothy noch einen Nachschlag einverleibt.

 

So gestärkt starten wir voller Elan in die Nachmittagsrunde. Der Schwung dauert nur kurz, denn zuerst bremst uns ein havarierter Galant, der keck sein Hinterteil aus dem tiefen Graben reckt und damit die Strecke blockiert. Kaum ist dieses Hindernis umschifft, kämpfen wir mit einem ungenauen Fahrtauftrag. Nach längerer Debatte und mehreren Proberunden entscheiden wir uns für die plausibelste Variante.

Nun gilt es, die eingebüßte Zeit aufzuholen, wir stieben Vollgas durch den Schnee. Jedenfalls solange, bis uns ein heckgetriebener Dreier den Weg versperrt. Mitfühlend schauen wir zu, wie er mangels Traktionsproblemen den Hang hinunterrutscht, statt hinaufzuklimmen. Selbst wir schaffen nur es knapp,  fräsen uns bei  deaktivierter Schlupfregelung mit durchdrehenden Rädern zum Kontrollschild hoch. Allrad wäre angebracht, doch der Subaru steht mit defekten Scheibenwischern zuhause in der Garage. Die würden wir hier gar nicht brauchen, die Sicht ist so gut, dass wir –mittlerweile in Belgien-einige dem Verfall preisgegebene Renault Oldtimer erspähen, die dringend aus ihrem Dornröschenschlaf gerettet werden sollten.

Aber nicht jetzt, denn wir wollen ins Ziel. Allerdings zu schnell, denn wir übersehen noch eine Kontrolle und vergessen eine weitere, weil wir die dazugehörige Aufgabe ignorieren. Trotzdem erreichen wir glücklich das Ziel, wo die Auswertung zügig läuft und schon bald die Siegerehrung stattfindet. Zur Krönung der wirklich angenehmen 3-Länder-Rundfahrt bekommen wir wie alle Teilnehmer eine Kopfbedeckung und Schreibzeug.

 

Die riesigen Plüsch Eisbären für die Sieger bleiben uns diesmal verwehrt, doch die Aussicht auf ein nächstes Mal und eine kleine Schokolade versüßen uns den 300 km langen Heimweg.

 

Joachim Büttner vom Rallye Team Sommerkahl